Von Tanzbar Schwarz-Weiss bis Drive-In Konzert: Macher Till Schwabe im Interview

by sblogme

Ob Frank Zander oder Patrick Schmidl – Till Schwabe, 58 Jahre alt, kennt so gut wie jeden. Im Erzgebirge ist er der Ärmelhochkrempler vom Dienst, betreibt ein Sonnenstudio und die Tanzbar Schwarz-Weiss in Annaberg-Buchholz. Bekannter ist er aber vielleicht für seine Events: Hitschen Race, Schutzteichfest, Holi Erzgebirge und zuletzt das erste Drive-in Konzert der Region – hinter all diesen Veranstaltungen steckt Till Schwabe zusammen mit seinen Freunden aus der „Annaberger Party-Allianz“. Doch gerade an ihm ging Corona nicht spurlos vorbei. Zeit für ein Gespräch mit dem Macher!

Till, deine Veranstaltungen sind nicht nur Highlights in Annaberg-Buchholz, sondern in der ganzen Region. Was motiviert dich?

Angefangen hat meine Leidenschaft fürs Veranstalten eigentlich 2007. Damals plante ich eine Feier zum 15-jährigen Bestehen meines Sonnenstudios und mietete dafür die Tanzbar Schwarz-Weiss an. Die Party wurde ein Riesenerfolg und da kam die Lust dazu, mehr zu machen. Zwei Jahre später bekam ich das Angebot zur Übernahme und ab 2010 war die Tanzbar dann mein Domizil. Von Anfang an war mir aber klar, dass „einfach aufschließen“ zu wenig sein würde. Wir mussten uns abheben. Ich habe dann angefangen, kuriose Begriffe miteinander zu kombinieren und daraus Partymottos zu machen. Deshalb hatten wir schon eine Bratwurstparty, aber auch schon ein echtes Schwein in der Tanzbar. Als dann die „Hitsche“ zum sächsischen Wort des Jahres wurde, habe ich auch außerhalb meiner Räume angefangen, Events zu veranstalten. Das Hitschen Race war geboren.

Ist es nicht schwer, die Menschen für eine Veranstaltung in der Region zu begeistern?

Wer selbstständig ist, muss immer kreativ sein, sich etwas einfallen lassen und sollte den Mut haben, etwas auszuprobieren. Manche Veranstaltungen kommen gut an, andere nicht so. Von Anfang habe ich mich nicht auf ein Standbein festlegen wollen. Wir versuchen immer wieder aufs Neue, die Leute in Annaberg und im Erzgebirge für kleinere Veranstaltungen in der Heimat zu begeistern. Wichtig ist dabei ein ordentliches, ansprechendes Programm. Für uns stehen nicht unbedingt die großen Verdienste im Mittelpunkt, sondern die Abwechslung im Veranstaltungskalender der Heimat. Das brauchen die Leute, man guckt sich ja auch nicht immer wieder denselben Film an. Unterstützer sind dafür aber auch wichtig, wie beispielsweise durch die Erzgebirgssparkasse, die uns schon öfter Sachleistungen besorgt haben, wie beispielsweise eine Hüpfburg. Wir sehen uns daher auch nicht in Konkurrenz zu großen Events. Jede Anreise verbraucht Ressourcen, kostet Zeit. Bei uns kann man Spaß haben, das Geld in der Heimat lassen und lokale Akteure stärken.

Wenn wir das so hören, klingt das so, als hätte Corona dich hart getroffen.

Das stimmt. Am 19. März sind mir auf einem Schlag alle drei Standbeine weggebrochen: Sonnenstudio, Tanzbar und die Veranstaltungen. Ich hatte damit null Einkommen. Ich habe die Soforthilfe beantragt, um die Kosten meines Unternehmens decken zu können, also Miete und Löhne. Aber damit kann ich ja nicht meine privaten Kosten decken, also meine Krankenversicherung zum Beispiel. Als Unternehmer musste ich Hartz IV beantragen, habe es aber nicht bewilligt bekommen, weil meine Frau einen Euro zu viel verdient. Ich habe die Wendezeit 1989/1990 erlebt, vieles fühlt sich heute genauso an, nur, dass die Gesundheit zusätzlich bedroht ist. Aber wir geben nicht auf und liegen nicht auf der faulen Haut. Wir bleiben aktiv, auch wenn es gerade schwieriger ist.

Ein Beweis deiner Tatkraft war das Drive-in Konzert mit „Engel in Zivil“.

Ja, und das wurde super von den Leuten angenommen. Das Autokonzert war quasi sofort ausverkauft und die Gäste haben auch trotz Auto ihre Getränke am Verkaufsstand geholt und so auch etwas zur Finanzierung beigetragen. Viele versuchen uns auch jetzt nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen, denn sie sehen, dass wir alle im selben Boot sitzen und es nicht um das Versagen eines Einzelnen geht.

Stichwort Unterstützung: Wie können gerade junge Leute dich und andere Veranstalter aktuell unterstützen?

Also dieses Jahr wird es wohl eher nix mit dem Urlaub im Süden, weshalb ich einen Kurzurlaub im Solarium empfehlen kann sobald wir wieder öffnen dürfen. Das ist auch viel günstiger als ein Flug. 😉 Insgesamt ist es wichtig, gerade jetzt die lokalen Angebote zu nutzen und eben nicht unbedingt nach Chemnitz zu fahren. Man sollte immer erst einmal darüber nachdenken, wie man seine Leute zuhause unterstützen kann. Ich habe auch das Gefühl, dass Corona diesen Umdenkprozess angestoßen hat. Es sind auch viele Kleinigkeiten, die etwas bewirken: Die Blumen statt im Supermarkt beim Blumenladen zu kaufen oder auch mal abzuchecken, ob ich statt bei einem Onlineshop auch etwas um die Ecke einfach kaufen kann. Und wenn es wieder möglich ist, wegzugehen, besucht doch die Clubs im Erzgebirge. Wir brauchen Euch jetzt besonders.

Unsere letzte Frage: Wie geht’s jetzt weiter?

Wir bleiben nicht untätig und haben für Himmelfahrt das Eisfest bei den Behörden beantragt. Wir hoffen jetzt, dass es unter Auflagen genehmigt wird. Da es dieses Jahr auch keine Kät und somit kein Maskottchentreffen geben wird, wollen wir außerdem am Kindertag eine Veranstaltung mit Puppenbühne und Maskottchen machen. Im zweiten Halbjahr soll es auch wieder den Sommer am Teich geben, ohne Hitschen Race aber dafür mit Live-Musik und einem neuartigen Wettkampf. Wir schauen einfach, was möglich sein wird.

Till, wir danken dir für das Gespräch! Wie unterstützt ihr Eure Region, gerade jetzt? Lasst es uns in den Kommentaren oder auf Facebook und Instagram wissen!

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